Telemedizin

Telemedizin: So richten Sie Videosprechstunden in Ihrer Praxis ein

Videosprechstunden sind gekommen, um zu bleiben. Erfahren Sie, welche technischen und rechtlichen Voraussetzungen Sie erfüllen müssen und wie die Abrechnung funktioniert.

EYD-IT Team

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3. Jänner 2026
6 Min Lesezeit
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Telemedizin: So richten Sie Videosprechstunden in Ihrer Praxis ein

Die COVID-Pandemie hat der Telemedizin einen enormen Schub gegeben. Was vorher Zukunftsmusik war, ist heute Alltag: Über 30% der Patienten haben bereits eine Videosprechstunde genutzt – und die Akzeptanz steigt weiter.

Für Arztpraxen bietet Telemedizin echte Vorteile: zufriedenere Patienten, effizientere Abläufe und neue Möglichkeiten der Patientenbetreuung.

Vorteile für Praxis und Patienten

Für Ihre Praxis

  • Weniger No-Shows: Videosprechstunden werden seltener vergessen
  • Effizientere Zeitnutzung: Kurze Rückfragen und Befundbesprechungen schnell erledigen
  • Erweitertes Einzugsgebiet: Patienten auch außerhalb Ihrer Region behandeln
  • Flexiblere Arbeitszeiten: Sprechstunden auch von zu Hause möglich

Für Ihre Patienten

  • Kein Anfahrtsweg: Besonders wertvoll für Mobilitätseingeschränkte
  • Geringeres Infektionsrisiko: Kein Wartezimmer, kein Kontakt
  • Bessere Vereinbarkeit: Termine in der Mittagspause oder am Abend
  • Schnellere Verfügbarkeit: Oft kurzfristiger als Praxistermine

Welche Behandlungen eignen sich?

Gut geeignet

  • Befundbesprechungen
  • Verlaufskontrollen chronischer Erkrankungen
  • Rezeptanfragen und -verlängerungen
  • Krankschreibungen (bei klarem Beschwerdebild)
  • Beratungsgespräche
  • Zweitmeinungen
  • Psychotherapeutische Gespräche

Weniger geeignet

  • Erstdiagnosen bei unklarem Beschwerdebild
  • Untersuchungen, die körperlichen Kontakt erfordern
  • Notfälle
  • Operative Eingriffe (logisch)

Technische Voraussetzungen

Hardware-Anforderungen

Minimum:

  • Computer/Laptop mit Webcam und Mikrofon
  • Stabile Internetverbindung (mind. 3 Mbit/s)
  • Ruhiger, gut beleuchteter Raum

Empfohlen:

  • Externe HD-Webcam (bessere Bildqualität)
  • Headset mit Noise-Cancelling
  • Zweiter Monitor für parallele Dokumentation
  • Mindestens 10 Mbit/s Upload

Software: Zertifizierte Videodienstanbieter

In Österreich und Deutschland müssen Videodienstanbieter zertifiziert sein. Beliebte Optionen:

Anbieter Besonderheiten
Doctolib Integration in Terminbuchung
Doxy.me Kostenlose Basisversion
Medflex Speziell für den DACH-Raum
arztkonsultation.de Von KBV zertifiziert

Wichtig: Normale Videocall-Tools wie Zoom oder Teams sind nicht erlaubt – sie erfüllen die Datenschutzanforderungen nicht.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Aufklärung und Einwilligung

Vor der ersten Videosprechstunde müssen Sie:

  • Über die Besonderheiten der Fernbehandlung aufklären
  • Auf mögliche Einschränkungen hinweisen
  • Eine Einwilligung einholen (kann elektronisch erfolgen)

Fernbehandlung: Was ist erlaubt?

Die Berufsordnungen erlauben mittlerweile Behandlungen ausschließlich über Kommunikationsmedien, wenn:

  • Es medizinisch vertretbar ist
  • Die Aufklärung erfolgt ist
  • Die Sorgfalt gewahrt bleibt

Dokumentationspflichten

Wie bei jedem anderen Arzt-Patienten-Kontakt müssen Sie dokumentieren:

  • Datum und Uhrzeit
  • Gesprächsinhalte
  • Diagnosen und Empfehlungen
  • Dass es sich um eine Videosprechstunde handelte

Abrechnung von Videosprechstunden

GKV (Deutschland)

Videosprechstunden können im Wesentlichen wie Präsenztermine abgerechnet werden. Einige spezielle GOP:

  • GOP 01439: Videofallkonferenz
  • GOP 01444: Zuschlag Authentifizierung
  • GOP 01450: Technikzuschlag Videosprechstunde

Privatabrechnung

Bei Privatpatienten rechnen Sie regulär nach GOÄ ab. Der Kommunikationsweg ändert grundsätzlich nichts an der Abrechnung.

Österreich

In Österreich gibt es kassenspezifische Regelungen. Bei vielen Kassen sind Videosprechstunden mittlerweile anerkannt – prüfen Sie die aktuellen Vereinbarungen.

Best Practices für erfolgreiche Videosprechstunden

Vorbereitung

  1. Technik-Check vor dem ersten Termin des Tages
  2. Hintergrund aufgeräumt und professionell
  3. Beleuchtung von vorne, nicht von hinten
  4. Notfallplan falls Technik ausfällt

Während des Gesprächs

  • Blickkontakt: In die Kamera schauen, nicht auf den Bildschirm
  • Langsam sprechen: Audioübertragung kann verzögert sein
  • Aktiv zuhören: Nicken und verbale Bestätigungen
  • Zusammenfassen: Am Ende Vereinbartes wiederholen

Nach dem Gespräch

  • Dokumentation sofort erstellen
  • Falls nötig: Präsenztermin vereinbaren
  • E-Rezept oder AU digital übermitteln

Patienten auf Videosprechstunden vorbereiten

Vor dem Termin mitteilen

  • Link zum Videocall (am besten per SMS kurz vorher)
  • Technische Voraussetzungen (Browser, App)
  • Was vorzubereiten ist (Medikamentenliste, Befunde)

Einfache Anleitung bereitstellen

Erstellen Sie eine kurze Anleitung:

  1. Link anklicken
  2. Kamera und Mikrofon freigeben
  3. Im virtuellen Wartezimmer warten
  4. Arzt nimmt Sie auf

Erste Schritte: So starten Sie

Woche 1: Planung

  • Videodienstanbieter auswählen und testen
  • Technik beschaffen (falls nötig)
  • Team schulen

Woche 2: Vorbereitung

  • Aufklärungsbogen und Einwilligung erstellen
  • Patienteninformation für Webseite verfassen
  • Ersten "Testterminen" mit Teammitgliedern durchführen

Woche 3: Soft Launch

  • Ausgewählten Patienten anbieten
  • Feedback sammeln
  • Prozesse optimieren

Woche 4+: Regulärer Betrieb

  • Aktiv bewerben
  • Ins Terminbuchungssystem integrieren
  • Regelmäßig evaluieren

Fazit

Videosprechstunden sind keine vorübergehende Erscheinung, sondern ein dauerhafter Bestandteil moderner Medizin. Der Einstieg erfordert etwas Vorbereitung, aber die Vorteile für Praxis und Patienten überwiegen deutlich.

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